Internationale Reihe
Kybernetik und Information | Band 10

Siegfried Zellmer

Pädagogische Semiotik
in der Mathematik-Didaktik

1. Auflage 1979

AGIS Verlag Baden-Baden
120 Seiten, 20,5 x 14,5 cm
kartoniert, 12,30 EUR
ISBN-10 3-87007-021-8
ISBN-13 978-3-87007-021-2

Die reine semiotische Theorie und die wenigen Ansätze semiotischer Pragmatik sind Basis für Siegfried O. Zellmer (Jahrgang 1942), in vorliegender Schrift die »Pädagogische Semiotik« zu ergründen.

Er studierte in Stuttgart, Aix-Marseille (als Stipendiat) und in Basel die drei Hauptfächer Mathematik, Physik und Philosophie. Als Professor für Mathematik und ihre Didaktik sowie als Wissenschaftstheoretiker, dessen philosophische Lehrer insbesondere die Professoren Max Bense und Elisabeth Walther (Stuttgart) und Hansjörg Salmony (Basel) waren, interessierte ihn im Rahmen dieser Arbeit im wesentlichen die Anwendbarkeit der Semiotik auf Lehr-, Lern-, Erkenntnis- und Verhaltensprozesse. Seine drei »Maxime pädagogischer Semiotik« sind pragmatische Konsequenzen aus einer Untersuchung der semiotischen Invarianten im kommunikativen Unterrichtsprozeß, die als pädagogische Prinzipien für den Kenner der Semiotik Bedeutung gewinnen können.


INHALT

Vorwort

9

Einleitung

11

Aufgaben pädagogischer Semiotik

18

Bedingungen der Erkenntnis

23

Erkenntnis verschiedener Semiotizität

26

Kommunikative Semiosen

32

Verhalten

37

Pädagogisches Wirken – Anleitung zu Semiosen

43

Das pädagogische Prinzip der semiotisch kleinen Schritte

52

Entwicklungsstufen des Bewußtseins

58

Beurteilung von Lern- und Verhaltensschwächen

61

Lernförderung

69

Lernmittel

77

Didaktisches Spiel – ein Unterrichtsmittel

86

Mathematikdidaktik – ein pädagogisch-semiotisches System

94

Mathematische Lernziele

99

Kreation und semiotische Analyse mathematischen Spiels

104

Literatur

111

Personen- und Sachregister

117



VORWORT

Die Anwendung semiotischer Theorie, wie sie von Ch. S. Peirce initiiert und von der Stuttgarter Schule um M. Bense und E. Walther konsequent erweitert und verfeinert wurde, ist im Bereich der Pädagogik noch nicht geschehen. Erste Ansätze der semiotischen Pragmatik von Ch. Morris zeigen zwar schon Bezüge zur Verhaltenstheorie auf, jedoch können diese nicht ausreichen, die fundamentale praktische Bedeutung der Semiotik für den gesamten Lehr- und Lernprozeß zu bestätigen.

In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, den Zusammenhang zwischen Zeichentheorie und semiotischer Praxis in der Pädagogik zu analysieren, wobei insbesondere Beispiele aus der Mathematikdidaktik die theoretischen Erkenntnisse erläutern sollen. Damit wird die semiotische Pragmatik nicht nur für den theoretisierenden Pädagogen, sondern vielmehr für den praktizierenden Lehrer wichtig.

Voraussetzungen meiner Untersuchungen sind in der semiotischen Basistheorie außer den »Collected Papers« von Ch. S. Peirce die von E Walther herausgegebene »Allgemeine Zeichenlehre – Einführung in die Grundlagen der Semiotik« (1974) und von M. Bense »Semiotik« (1967), »Kleine abstrakte Ästhetik« (1969), »Zeichen und Design« (1971), »Semiotische Prozesse und Systeme« (1975), »Vermittlung der Realitäten« (1976) sowie das »Wörterbuch der Semiotik« (1973) von E. Walther und M. Bense. Außerdem konnte ich die zum Teil unveröffentlichten »Papers des Institutes für Philosophie und Wissenschaftstheorie der Universität Stuttgart« der Jahre 1975/76 mit verarbeiten. Hierfür und manche Anregungen zu dieser Arbeit sei dem Stuttgarter Institut, insbeondere Herrn Prof. Dr. M. Bense und Frau Prof. Dr. E. Walther vielmals gedankt. Beachtung fand außerdem die Zeitschrift für Semiotik und ihre Anwendungen »Semiosis«, die von M. Bense, G. Deledalle und E. Walther im AGIS-Verlag, Baden-Baden, seit Frühjahr 1976 herausgegeben wird. Die Ergebnisse der Studien von M. Eco »Einführung in die Semiotik« (1972) und »A theory of Semiotics« (1975) konnten nicht direkt verwendet werden, da seine Begriffsbildungen z. T. erheblich von der Peirceschen Semiotik abweichen. Auf den Begriffsapparat der erwähnten Veröffentlichungen habe ich mich voll gestützt, um – m. E. unnötige – Wiederholungen von Definitionen und Erkenntnissen zu vermeiden.

Ich möchte an dieser Stelle den Damen des Sekretariats der Pädagogischen Hochschule Lörrach, Frau H. Jurgons und Frau Th. Ripka herzlich danken, die unter ungünstigsten räumlichen Bedingungen meinem Manuskript ansprechende Form gaben und Korrektur lasen. Zuletzt danke ich meiner Frau Ursula für ihre unschätzbare Hilfe während der Entwicklungszeit dieser Arbeit.
Das Manuskript wurde Anfang 1977 abgeschlossen.

Im Herbst 1979 | Siegfried Zellmer