Internationale Reihe
Kybernetik und Information | Band 6

Max Bense

Semiotische Prozesse und Systeme
in Wissenschaftstheorie und Design,
Ästhetik und Mathematik

Semiotik vom höheren Standpunkt

1. Auflage 1975

AGIS Verlag Baden-Baden
195 Seiten, 20,9 x 14,6 cm

kartoniert, 14,40 EUR
ISBN-10 3-87007-011-0
ISBN-13 978-3-87007-011-3

Leinen, 18,50 EUR
ISBN-10 3-87007-032-3
ISBN-13 978-3-87007-032-8

Die Semiotik als eine allgemeine Theorie der Zeichen hat in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine zunehmende Bedeutung für alle Wissenschaften, besonders für die Erforschung ihrer Grundlagen, gewonnen. Hier tritt sie durchaus konkurrenzfähig neben der Logik und der Linguistik auf. Unabhängig von dieser wissenschaftstheoretischen Rolle hat sie aber auch Wichtigkeit für die Aspekte der Werbung, der Planung, des Entwerfens, kurz für das grafische und technische Design erlangt. Man spricht heute vom Zeichen-Designer, vom Architektursemiotiker und vom Verkehrssemiotiker.

Tatsächlich beruht der Prozess der Urbanisierung in unserer Zivilisation in starkem Maße auf einer methodisch sicheren und konsequenten Semiotisierung. Viele Mängel in den menschlichen Kommunikations- und Informationssystemen beruhen auf Mängeln der Zeichengebung und des Zeichenverständnisses. Natürlich sind alle sprachlichen und künstlerischen Erzeugnisse des Menschen stets von der Einführung von Zeichen bzw. der Durchführung von Zeichenprozessen abhängig gewesen. Als eine umfassende und selbständige Theorie existiert die Zeichenlehre erst seit den fundamentalen Beiträgen des amerikanischen Logikers, Mathematikers und Philosophen Charles S. Peirce, die in den Jahren 1870 bis 1910 entstanden. Doch erst durch die Arbeit Max Benses und Elisabeth Walthers sowie ihrer Schüler an der Stuttgarter Universität und Hamburger Kunsthochschule kam diese Theorie als Basistheorie vollständig ans Licht und konnte in formaler und methodischer Hinsicht soweit entwickelt werden, dass sie heute eine für alle Zeichenpraktiken grundlegende Theorie geworden ist.

Dieses Buch Max Benses stellt wieder eine Erweiterung der ursprünglichen Basistheorie der Semiotik dar. Insbesondere wurden Idee und Praxis der Zeichenprozesse und Zeichensysteme entwickelt, vor allem zwischen generierenden und degenerierenden, also zwischen Prozessen zunehmender und abnehmender Semiotizität graduierend unterschieden und in einem neuen Schema, dem vollständigen Zeichenkreis und der vollständigen Zeichenmatrix, zusammengefaßt. Zeichenkreis und Zeichenmatrix gestatten ein genaues Studium der Semiosen und Retrosemiosen. Sie dienen einer exakten methodischen Anwendung semiotischer Begriffe einerseits und einer semiotischen Analyse sprachlicher und nicht-sprachlicher Zeichensysteme andererseits. Das Buch soll darüber hinaus besonders die Zusammenhänge zwischen Semiotik und Mathematik, Semiotik und Ästhetik, Semiotik und Verhalten in einem allgemeinen Sinne herstellen. So wird neben der reinen semiotischen Theorie die semiotische Pragmatik eingeführt.


INHALT

Vorbemerkung

7

Einleitung über die allgemeine Rolle der Semiotik

11

Die abstrakte Konzeption des Zeichens

35

Einige einführende Gesichtspunkte

39

Subzeichenklassen und Zeichenklassen

45

Ergänzende allgemeine Zeichenbegriffe

50

Superisationen

54

Semiotik und Kybernetik

58

Offene, geschlossene und vollständige Zeichen

64

Zum Begriff des semiotischen Raums

69

Zeichenbereiche, Präzeichen und Zeichensysteme

73

Umrisse einer kombinatorischen Semiotik

76

Der Zusammenhang der Zeichen in Zeichensystemen

78

Die triadische Zeichenrelation als Repräsentationsschema

82

Stellenwert gewisser Subzeichen im Zeichenkreis
Semiotische Erkenntnistheorie

88

Der pragmatische Übergang von der virtuellen
zur effektiven Zeichenrelation

94

Die zeichenerzeugenden Umgebungssysteme
und ihre pragmatischen Retrosemiosen

97

Fundamentale zeichenexterne und zeicheninterne Semiosen

100

54 Beispiele für dyadische Kombinationen

106

Semiotische Pragmatik und dyadische Retrosemiosen

109

Realitätszusammenhänge und
Begründungszusammenhänge

119

Die semiotische Konzeption des »Verhaltens«

122

Semiotische Grundlagen der Designtheorie

125

Bemerkungen zu einer semiotischen Theorie
der Entstehung der Kunst

131

Semiotische Ästhetik und ihre Semiosen

135

Mathematik und Semiotik.
Die semiotische Legitimierung mathematischer
Grundlagen und Prozesse

148

Literaturverzeichnis

178

Namenregister

187

Sachregister

189