Elisabeth Walther-Bense und Udo Bayer (Hrsg.)

zeichen von zeichen für zeichen
Festschrift für Max Bense

1. Auflage 1990

AGIS Verlag Baden-Baden
368 Seiten, 23,8 x 17,0 cm
kartoniert, 37,50 EUR
ISBN-10 3-87007-036-6
ISBN-13 978-3-87007-036-6

Die Festschrift, herausgegeben von Elisabeth Walther-Bense und Udo Bayer, erschien mit Text- und Bildbeiträgen von 71 Gratulanten zum 80. Geburtstag Max Benses in einer Auflage von 1000 Exemplaren.


INHALT

Elisabeth Walther/
Udo Bayer

Vorwort

5

Jan Peter Tripp

Max Bense in gehobener Stellung

7

Volker Merz

Zum 80. Geburtstag

8

Felix von Cube

Max Benses Anstoß zur Entideologisierung der Pädagogik

10

Francis Schwanauer

Brief

15

Rul Gunzenhäuser

Max Bense: Wegbereiter für eine moderne Informatik-Bildung

16

Armin und Barbara Mehling

Max Bense zum 80. Geburtstag am 7. Februar 1990

20

Elisabeth Böhm

Die Vermittlung der Semiotik

22

Marlis Gerhardt

Augenblicke

25

Helmut Kreuzer

Intellektueller und Poet: Max Bense. Zwei Vorschläge

28

Max Bill

Vivat

35

Georg Bense

Hans bittet zu Fisch

36

Daniel Proctor

Unser Wegweiser

40

Klaus Oehler

Peirce oder Habermas?

42

Günter Neusel

SRπc2

48

Hanna Buczyńska-Garewicz

Peirce’s Antisubjectivism and Logic

49

Dinkar Magadum

Peirce und seine Vorstellung von Raum

53

Abraham A. Moles

La technique : une philosophie de l’existence

60

Paul und Karin Wunderlich

ad multos annos!

67

Doll Zillmann

Unterhaltende Ungewißheit

68

Susanne Jakob

Schreiben – heißt konkret sein

76

Angelika Jakob

Condor Fabel-haft

79

Gérard Deledalle

L’altérité

80

Jorge Bogarin

Zeichen und Sein: Semiotik als Ontologie und ontologisches Kriterium

87

Manfred Mohr

Computer-Grafik

95

Regina Claussen

Zeichen und Ideologie – Vom ideologiekritischen Wert der Rhetorik

96

Alfred Toth

sème – acte sémique – sémie. Ansätze eines triadischen Zeichenmodells in der semiologie Eric Buyssens

104

Armin Sandig

Max Bense zum 80. gewidmet

117

Udo Bayer

»Der Zipfel einer Welt« – Übergänge zwischen Objektthematik und ästhetischer Eigenrealität

118

Karl Gfesser

Bemerkungen zum »Zeichenband«

129

Angelika H. Karger

Der Kreativitätsbegriff in der Theoretischen Semiotik

142

Ertekin Arin

Die semiotische Expression und graduelle Expressivität des Objekt- und Raum-Zeichens

153

Wolfgang Kiwus

Computer-Grafiken

162

Cornelie Leopold

Anmerkungen zum Dualitätsprinzip in Geometrie und Semiotik

165

Georg Nees

Technische Deixis und Max Benses Grund-Geometrie

178

Anton Stankowski

Fünfer Code

188

Erwin Bücken

Der Groß-Kophta

194

Maria Heyer-Loos

Spuren einer Landschaft

201

Herbert Franke

Max Bense – ein Verführer zum Denken

202

Manfred Rommel

Bemerkungen zu Prof. Max Bense

207

Eva Bense

ach, da fällt ein Blatt …

209

Karel Trinkewitz

Max Bense – der Mann an den ich denke

210

Rosemarie und Fried Alstaedter

Unsere erste Begegnung mit Max Bense

214

Jens-Peter Mardersteig

Hommage

217

Thomas G. Winner

Die tschechische Avantgarde der zwanziger und dreißiger Jahre und der Prager Linguistenkreis

224

Ludwig Harig

Im geheimen ein Spiel. Poesie und Mathematik

240

Reinhard Döhl

Von der Alphabetisierung der Kunst

250

Gabriele Kübler

Das konkrete ABC

264

François Morellet

Joyeux anniversaire à Max Bense

267

Harry Walter

Die Ordnung der Dinge

268

Ilse Walther-Dulk

Die schöne Bauchtänzerin oder: Un amour de Gustave Flaubert et d’Albert Dulk

269

Janice Deledalle Rhodes

Herbert Spencer, W.S. Blunt et Muhammad ’Abduh : une note sur la circulation des idées

281

M. Drea

Ein Schiff für Max Bense

288

Heinrich Dilly

Die Künstler der Kunsthistoriker

290

Manfred Esser

An Max Benses Schwarze Tafel

298

Wolfgang Berger

Neun Bemerkungen aus meinem Sudelbuch

299

Almir Mavignier

Plakat

303

Matthias Götz

Wo ist der Ausgang? Wenn Bilder Auskunft geben: Piktogramme

304

Hans Brög

Artifizielle Annäherung an die Natur

315

Heinz Spielmann

Platonismus und ungegenständliche Malerei – ein Hinweis

321

Helmut Heißenbüttel

Geburtstagsgruß

328

Barbara Wörwag

Zur »Eigenrealität« der Drip-Paintings von Jackson Pollock

330

Barbara Wichelhaus

Die »Outsider«-Kinderzeichnung – Einige semiotische Anmerkungen

339

Herbert Heyer

Fraktale: mathematische Definition und ästhetische Signifikanz

347

Herwarth Röttgen

Studiengalerie

362

Arthur, Carole and Brendan McCauley

Circle Signs

363

Wendelin Niedlich

Guten Tag Max …

364



VORWORT

Schüler, Freunde und Kollegen gratulieren mit dieser Festschrift Max Bense zum achtzigsten Geburtstag am 7. Februar 1990.

Sie fühlen sich einem Lehrer und Diskussionspartner verpflichtet und verbunden, dessen Weite des Horizonts die traditionellen Disziplinen übergreift und somit ein Phänomen darstellt, das in einem zunehmend spezialisierten Wissenschaftsbetrieb immer seltener wird. Wie es schon in den Festschriften zum sechzigsten, siebzigsten und fünfundsiebzigsten Geburtstag* deutlich wurde, sind die Beiträge dort – und nun auch in diesem Band – unterschiedlich in der Thematik und in den Ausdrucksformen. Es spiegelt sich auch in dieser Festschrift die Verbindung von geisteswissenschaftlich-philosophischem mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Denken, von literarischer mit bildnerischer Gestaltung. Wissenschaftliche Reflexion und künstlerische Produktion ergänzen sich ja auch im Werk Max Benses in einer für einen Hochschullehrer sicher nicht typischen Weise. Neben Physik und Mathematik sah er seit seinen Studienjahren Philosophie und Kunst, insbesondere Literatur und Malerei, als ebenso unerläßlich für die eigene Arbeit an.

Im Gegensatz zum Ordnen und Verwalten fremder Gedanken ist Max Benses kritische und schöpferische Auseinandersetzung mit dem, was andere gedacht haben, ein vorbildliches Beispiel für das Weiterdenken – ein geistiger Prozeß, der nie die Subjektivität des denkenden und bisweilen streitbaren Ichs hinter dem Gedachten zum Verschwinden bringen will. Von der »technischen Existenz« und einem »existentiellen Rationalismus« bis zum »semiotischen Tier« oder dem »Menschen, der selbst ein Zeichen« ist sind die Übergänge in seinem wissenschaftlichen und literarischen Werk leicht nachzuvollziehen. Daß die Mathematik nicht nur für Naturwissenschaft und Philosophie, sondern auch für Ästhetik und Semiotik eine unerläßliche Grundlage bildet, wird sogar in seinen Gedichten spürbar.

Ein Moment der angesprochenen Universalität ist die Förderung moderner experimenteller Literatur und die kritische Auseinandersetzung mit den kulturell-politischen Phänomenen der Nachkriegszeit, die ihren publizistischen Niederschlag in der Zeitschrift »augenblick« fanden, die von ihm von 1955 bis 1960 herausgegeben und in der »reihe rot« (Heft 1-52) fortgesetzt wurde.

Die Festgaben seiner Freunde aus Kunst und Literatur erinnern an einen zweiten großen Wirkungskreis, der seine ästhetischen Vorstellungen betrifft: seine jahrzehntelange Tätigkeit als Förderer und Kritiker von Malern und Bildhauern – insbesondere in der von ihm betreuten Studiengalerie der Universität Stuttgart, wie sie aus den so anregenden Reden zu den Vernissagen noch vielen gegenwärtig sein wird. Galerien und Museen haben von seinen ästhetischen Vorstellungen häufig profitiert. Erinnert sei auch an seinen maßgeblichen Impuls zur Schaffung computergenerierter Grafiken und Texte; denn er hatte sich bereits Ende der fünfziger Jahre für den Ausbau der Kybernetikforschung (heute Informatik) eingesetzt.

Der Schwerpunkt seines wissenschaftlichen Werkes der letzten beiden Jahrzehnte war und ist jedoch die semiotische Forschung auf den Grundlagen der Peirceschen Theorie. Im Entwurf einer möglichst tiefen und umfassenden Fundierung der Aktionen des menschlichen Bewußtseins konvergieren die genannten Disziplinen, die Max Benses intellektueller Horizont schon seit seinen ersten Publikationen in Beziehung setzt – etwa in seiner Dissertation »Quantenmechanik und Daseinsrelativität« von 1938. Seine innovative Weiterentwicklung der Peirceschen Grundgedanken zu einer allgemeinen Zeichenlehre, die er durch Rezeption und Analyse in schöpferischer Synthese zu einem relativ abgeschlossenen System fortzuführen unternahm, umfassen selbstverständlich bewußtseins- und erkenntnistheoretische Probleme. Die Initiative für ein Publikationsforum zur Verbreitung dieser in der Entfaltung begriffenen theoretischen Semiotik, nämlich die internationale Zeitschrift für Semiotik und Ästhetik, SEMIOSIS, ging 1975 im wesentlichen von ihm aus und wurde zum Sprachrohr vieler Kollegen und Schüler in aller Welt.

Max Bense hat den hier kurz geschilderten Begriff von Wissenschaft nicht nur als Forscher in seinem eigenen Werk realisiert, sondern als Lehrer auch dem heterogenen Kreis seiner Schüler zu vermitteln gewußt, wie es die Vielfalt der Beiträge dieses Bandes auch deutlich macht. So gelten Dank und Glückwunsch gleichermaßen dem Forscher, Lehrer und Organisator, dem Freund und Kollegen.

Stuttgart, Dezember 1989
Elisabeth Walther-Bense
Udo Bayer

* Muster möglicher Welten, Wiesbaden 1970; Semiosis 17/18 (1980); Semiosis 36/37/38 und 39/40 (1985).